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Walter nach dem 2:2: „Wir haben wieder ein paar Geschenke verteilt“

Gepostet am 15. August 2026 von Mike Hoffmann
HerrenSpielbericht

Moin Holstein-Fans,

nach dem 2:2 gegen den FC St. Pauli war bei beiden Trainern ein ähnliches Gefühl vorhanden – nur aus völlig unterschiedlichen Gründen. Marcel Rapp ärgerte sich darüber, dass seine Mannschaft eine 2:0-Führung und mehrere Möglichkeiten zum dritten Treffer nicht genutzt hatte. Tim Walter dagegen sah eine Holstein-Mannschaft, die sich das Leben zunächst selbst unnötig schwer machte, anschließend aber mit viel Energie und Teamgeist zurückkam.

Walter brachte seine Sicht auf die ersten 45 Minuten ziemlich deutlich auf den Punkt: „Wir haben heute wieder ein paar Geschenke verteilt.“ Trotz des 0:2-Pausenrückstands habe Holstein das Spiel aus seiner Sicht grundsätzlich dominiert. Das Problem sei weniger gewesen, dass St. Pauli die KSV komplett beherrscht hätte, sondern dass Kiel den Gegner bei den Gegentoren selbst eingeladen habe. Fehler könne man nie vollständig verhindern, sagte Walter, allerdings müsse seine Mannschaft versuchen, deutlich weniger solcher Geschenke zu verteilen.

Walter fordert mehr Mut im Spielaufbau

Ganz zufrieden war der Holstein-Trainer mit der ersten Hälfte trotzdem nicht. Besonders beim eigenen Aufbau sah er Luft nach oben.

Walter bemängelte, dass seine Mannschaft den Ball teilweise zu früh auf die Außen gespielt habe. Gegen St. Paulis konsequente Mann-gegen-Mann-Verteidigung habe man damit dem Gegner eher geholfen. Seine Spieler müssten sich häufiger anbieten, den Ball auch unter Druck fordern und mutiger durch das Zentrum beziehungsweise aus engen Situationen herausspielen.

Holstein habe durchaus immer wieder Lösungen gefunden, insgesamt sei ihm das in der ersten Halbzeit aber zu wenig gewesen. Gerade im Spielaufbau erwartet Walter mehr Selbstvertrauen und Mut.

Das ist ein Punkt, der nach den ersten beiden Saisonspielen durchaus hängen bleibt. Walter möchte nicht, dass seine Mannschaft nur Sicherheit sucht. Der Ball soll nicht möglichst schnell aus einer unangenehmen Zone verschwinden, sondern Holstein soll sich zutrauen, Drucksituationen spielerisch aufzulösen.

Dass dabei Fehler passieren werden, nimmt der Trainer offensichtlich in Kauf. Nur sollten daraus eben nicht regelmäßig direkte Einladungen für den Gegner entstehen.

Der Teamgeist gefällt Walter

Was Walter dagegen ausdrücklich hervorhob, war die Reaktion nach dem Rückstand.

Holstein kam nach dem 0:2 zurück, weil aus Sicht des Trainers Energie und Teamgeist gestimmt hätten. Die Mannschaft habe nach vorne alles versucht und letztlich tatsächlich noch den Ausgleich erzwungen.

Walter zog dabei auch den Vergleich zum 2:2 in Darmstadt. Dort habe seine Mannschaft aus seiner Sicht rund 75 Minuten dominiert, gegen St. Pauli sogar über die gesamte Partie. Seine Forderung ist deshalb ziemlich einfach: Aus dieser Dominanz müssen mehr Tore entstehen – und auf der anderen Seite dürfen dem Gegner nicht ständig Möglichkeiten aufgelegt werden.

Zwei Spiele, zwei Unentschieden. Begeisterung über die Punktausbeute sieht anders aus. Walter ordnete den Saisonstart trotzdem relativ gelassen ein.

Auf die Frage, wie er die bisherigen zwei Punkte bewerte, bezeichnete er den Start als „okay“. Dabei verwies er auch auf die vergangene Saison, in der Holstein lange gegen den Abstieg kämpfen musste. Inzwischen erkenne er wieder eine gewisse Spielkultur, die weiterentwickelt werden müsse.

Die Richtung gefällt ihm also – die Ergebnisse könnten besser sein.

Warum Parduzi weiterhin vor Tolkin spielt

Eine interessante Personalfrage gab es ebenfalls.

Leon Parduzi stand erneut in der Startelf, obwohl John Tolkin mittlerweile wieder fit ist. Walter machte daraus überhaupt kein Geheimnis und lieferte gleichzeitig eine ziemlich klare Erklärung.

Parduzi habe seine Sache bereits in Darmstadt gut gemacht und gegen St. Pauli erneut sehr gut gespielt. Tolkin sei zwar wieder fit, aber Walter sieht schlicht keinen Grund, einen Spieler herauszunehmen, solange dieser seine Leistung bringt.

Das dürfte Parduzi durchaus gefallen. Er bekommt seine Einsatzzeit momentan also nicht deshalb, weil Tolkin körperlich noch nicht bereit wäre, sondern weil Walter mit seinen Leistungen zufrieden ist.

Gerade für einen jungen Spieler ist das ein ordentliches Signal. Wer seine Chance bekommt und sie nutzt, darf offenbar auch bleiben – unabhängig davon, ob dahinter ein etablierterer Konkurrent wieder zur Verfügung steht.

Walter bleibt bei Bernhardsson völlig entspannt

Natürlich wurde auch Alexander Bernhardsson zum Thema. Rund um den Schweden gibt es weiterhin Spekulationen über einen möglichen Abgang.

Nach dem St.-Pauli-Spiel wurde Walter darauf angesprochen, wie er angesichts dieser Gerüchte mit Bernhardssons Bedeutung für die Kieler Tore umgehe. Die Antwort fiel denkbar knapp aus.

„Ber ist ein super Spieler. Und wir sind froh, dass wir ihn haben.“

Mehr Transferfutter gab es von Walter nicht.

Das ist sicherlich keine Aussage, mit der sich irgendwelche Wechselgerüchte erledigt hätten. Gleichzeitig macht Walter deutlich, wie er die aktuelle Situation betrachtet: Solange Bernhardsson bei Holstein Kiel spielt, ist er ein wichtiger Teil seiner Mannschaft.

Und sportlich hat der Schwede gegen St. Pauli wieder Argumente geliefert.

Rapp ärgert sich vor allem über das fehlende 3:1

Auf der anderen Seite saß ein Marcel Rapp, der sich seine Rückkehr ins Holstein-Stadion ergebnistechnisch vermutlich anders vorgestellt hatte.

St. Pauli begann nach seiner Einschätzung gut und hatte bereits früh durch Martijn Kaars eine große Gelegenheit. Anschließend entwickelte sich eine offene erste Hälfte mit Chancen auf beiden Seiten, ehe die Hamburger mit einer 2:0-Führung in die Kabine gingen.

Den entscheidenden Moment sah Rapp allerdings nach dem Kieler Anschlusstreffer.

Seine Mannschaft habe anschließend zwei große Möglichkeiten zum 3:1 gehabt. Wenn St. Pauli eine davon nutze, so seine Einschätzung, gewinne man vermutlich das Spiel. Stattdessen warf Holstein immer mehr nach vorne und kam schließlich noch zum 2:2.

Entsprechend gemischt fiel Rapps Bewertung aus. Mit der Leistung seiner Mannschaft und einigen Umschaltsituationen war er zufrieden, mit dem Ergebnis dagegen verständlicherweise nicht.

Auch später betonte Rapp, dass seine Mannschaft nach der Führung teilweise mehr Ruhe in ihre Aktionen hätte bringen können. Gleichzeitig sei es Teil des Plans gewesen, nach Kieler Pressingsituationen schnell nach vorne zu spielen, weil sich dort Räume öffneten.

Rapps Rückkehr bleibt emotional – aber nicht im Mittelpunkt

Zum Abschluss wurde es dann noch einmal persönlich.

Rapp bezeichnete seine Rückkehr nach Kiel durchaus als besonderes Spiel. Er habe ein schönes Willkommen erlebt und werde seine Zeit bei Holstein immer in Erinnerung behalten. Trotzdem wollte er auch daraus keine große Geschichte machen.

Für ihn habe an diesem Abend das Spiel im Mittelpunkt gestanden und nicht seine eigene Vergangenheit. Er gehe davon aus, künftig noch häufiger als gegnerischer Trainer ins Holstein-Stadion zurückzukehren.

Dass ihm seine Zeit in Kiel weiterhin etwas bedeutet, war trotzdem herauszuhören. Rapp sagte, dass es ihm hier gut gefallen habe und die Menschen nett zu ihm gewesen seien.

Für Holstein bleibt nach dieser Pressekonferenz vor allem Walters Analyse hängen. Die Spielidee stimmt für ihn, die Mannschaft entwickelt sich und zeigt Moral. Gleichzeitig verteilt sie momentan noch zu viele Einladungen an den Gegner und muss gerade im eigenen Aufbau mutiger werden.

Nach zwei 2:2-Spielen ist das vielleicht die passende Beschreibung dieses Saisonstarts: Man sieht schon ziemlich deutlich, wohin Walter mit dieser Mannschaft will. Komplett sauber läuft es dabei aber noch lange nicht.

In diesem Sinne, nur die KSV! 💙🤍❤️

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Mike Hoffmann

Autor der Holstein Community.

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