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Walter nach dem Pokal-Fight: „Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht“

Gepostet am 23. August 2026 von Mike Hoffmann
HerrenPressekonferenz

Moin Holstein-Fans,

der Auftrag ist erledigt. Holstein Kiel steht nach dem 2:0 beim TSV 1860 München in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Wer allerdings nur das Ergebnis sieht, könnte auf die Idee kommen, dass die Störche einen relativ entspannten Pokalabend im Grünwalder Stadion erlebt hätten. Tim Walter machte nach dem Spiel ziemlich deutlich, dass es ganz so gemütlich dann doch nicht gewesen ist.

Vor allem mit der zweiten Halbzeit konnte der Holstein-Trainer nicht vollständig zufrieden sein. Dabei hatte der Abend aus Kieler Sicht eigentlich genau so begonnen, wie man sich das gegen einen unterklassigen Gegner vorstellt: Kontrolle übernehmen, Möglichkeiten herausspielen und irgendwann die Führung erzielen. Phil Harres besorgte diese in der 34. Minute. Dass es zu diesem Zeitpunkt lediglich 1:0 stand, war aus Sicht Walters schon das erste Problem dieses Abends.

„Ich glaube, in der ersten Halbzeit haben wir alles im Griff gehabt“, sagte Walter auf der Pressekonferenz. Seine Mannschaft hätte seiner Meinung nach bereits vor der Pause deutlich höher führen müssen.

Und damit liegt er wohl ziemlich richtig. Denn genau dort hätte Holstein diesem Pokalspiel früh den unangenehmen Teil nehmen können.

Aus Kontrolle wurde plötzlich ein Spiel, das Holstein gar nicht wollte

Nach der Pause veränderte sich die Partie. 1860 warf immer mehr hinein, das Grünwalder Stadion wurde lauter und die Löwen versuchten es verstärkt mit langen Bällen. Genau diese Spielweise brachte Kiel zunehmend aus dem eigenen Rhythmus.

Walter beschrieb es anschließend ziemlich passend als „Pingpong-Spiel“.

Und Pingpong ist vermutlich ungefähr das Letzte, was man sich als Zweitligist bei einem Regionalligisten wünscht.

Anstatt den Ball laufen zu lassen und die Münchner irgendwann müde zu spielen, ließ sich Holstein auf diese hektischere Art des Spiels ein. Walter störte dabei besonders, dass seine Mannschaft die Ruhe verlor. 1860 bekam dadurch genau das, was ein Außenseiter in einem Pokalspiel braucht: Atmosphäre, Zweikämpfe, zweite Bälle und das Gefühl, dass vielleicht doch noch etwas gehen könnte.

So wurde aus einer Partie, die Kiel in der ersten Hälfte eigentlich kontrolliert hatte, plötzlich ein Spiel, bei dem man auf dem Sofa doch wieder etwas weiter nach vorne rutschte.

1860 kam nach einer Ecke sogar ganz nah an den Ausgleich, doch Hiroki Sekine klärte auf der Linie. Die Münchner blieben bis in die Schlussphase hinein im Spiel, ohne Holstein dauerhaft auseinanderzuspielen. Erst Guillermo Balzi machte mit seinem Treffer in der Nachspielzeit endgültig den Deckel drauf.

Walter formulierte es hinterher ohne große Umwege: Holstein habe sich „das Leben ganz ehrlich selber schwer gemacht“.

Genau so fühlte es sich auch an.

Denn der Klassenunterschied war gerade in der ersten Halbzeit durchaus zu erkennen. Nur muss man ihn dann eben auch auf die Anzeigetafel bringen. Ein 2:0 oder vielleicht sogar 3:0 zur Pause hätte aus dem Grünwalder Hexenkessel vermutlich ziemlich schnell einen deutlich ruhigeren Fußballabend gemacht.

Walter lobt die Löwen – und vor allem deren Fans

Bemerkenswert war, wie ausführlich Walter nach der Partie auch über 1860 sprach. Der Kieler Trainer lebt inzwischen in München und kennt die besondere Fußballkultur rund um die Löwen entsprechend gut.

Die Stimmung bezeichnete er sinngemäß als erstklassig und wünschte dem Verein, dass dieser Support auch in Zukunft anhält. Das war keine dieser üblichen Trainerfloskeln nach dem Motto „großartige Fans, schwieriger Gegner, alles Gute für die Saison“. Man merkte ihm durchaus an, dass ihm dieser Verein und diese Atmosphäre etwas bedeuten.

1860-Trainer Alper Kayabunar wiederum war trotz des Ausscheidens stolz auf seine Mannschaft. Sein Plan sei gewesen, das Stadion früh mitzunehmen und mutig aufzutreten. Genau das gelang den Löwen. Kayabunar sah sogar Möglichkeiten, bei etwas mehr Spielglück selbst in Führung zu gehen.

Gerade die zweite Hälfte dürfte ihm gefallen haben. Seine Mannschaft gewann mehr Bälle, bekam Umschaltsituationen und zwang Holstein dazu, bis zum Schluss konzentriert zu bleiben.

Das muss man aus Kieler Sicht ebenfalls anerkennen. 1860 hat sich nicht hinten hineingestellt und darauf gewartet, irgendwann das zweite und dritte Tor zu kassieren. Die Löwen wollten diesen Pokalabend – und das merkte man.

19 Jahre, Profi-Debüt und Grünwalder Stadion – Rothenhagen besteht seine Prüfung

Besonders interessant wurden Walters Aussagen, als es um Lio Rothenhagen ging.

Der gerade einmal 19 Jahre alte Torhüter stand erstmals bei den Profis zwischen den Pfosten. Und dann bekommt man für sein Debüt nicht irgendeinen ruhigen Nachmittag serviert, sondern gleich das Grünwalder Stadion mit 1860 München im DFB-Pokal.

Kann man machen.

Walter wollte trotzdem, dass Rothenhagen und seine Vorderleute mutig im Spielaufbau bleiben. Dabei gab es in der zweiten Halbzeit durchaus Situationen, bei denen der Puls auf Kieler Seite kurz eine kleine Zusatzschicht eingelegt haben dürfte. Auf die Frage, ob ihm das nicht etwas zu viel Nervenkitzel gewesen sei, reagierte Walter allerdings gelassen.

Fehler und schwierige Situationen gehörten für ihn dazu, wenn ein junger Torhüter in diese Mannschaft eingebaut werden soll. Rothenhagen habe selbst Entscheidungen getroffen und zwischendurch bewusst den langen Ball gewählt, auch wenn Walter dadurch teilweise genau jenes Pingpong-Spiel entstehen sah, das er eigentlich vermeiden wollte.

Entscheidend war für den Trainer etwas anderes: Der Junge hat bestanden.

„Mit 19 Jahren in so einer Atmosphäre zu bestehen, ist schon aller Ehren wert“, sagte Walter.

Dem kann man sich nur anschließen. Rothenhagen blieb ohne Gegentor und bekam gleich bei seinem ersten Profieinsatz eine Erfahrung geliefert, für die man im Training noch so viele Spielformen aufbauen kann – ersetzen lässt sich so ein Abend dadurch nicht. Schon vor der Partie hatte Walter erklärt, dass er dem jungen Keeper diesen Einsatz zutraut und von dessen Umgang mit Fehlern überzeugt ist.

Vielleicht ist genau das neben dem Weiterkommen einer der wertvolleren Punkte dieses Pokalabends.

Walter hatte seine Startelf auf mehreren Positionen verändert und wollte sehen, wie seine Mannschaft mit Widerstand, Atmosphäre und Druck umgeht. Perfekt war das keineswegs. Aber sie ist nicht auseinandergefallen, als 1860 aufdrehte. Sie hat dagegengehalten, zu null gespielt und irgendwann das entscheidende zweite Tor gesetzt.

Für die Liga sollte man trotzdem eine Sache aus München mitnehmen: Wenn Holstein ein Spiel so deutlich kontrolliert wie in der ersten Hälfte, muss daraus mehr entstehen. Nicht jeder Gegner wird es einem verzeihen, wenn man die Tür 45 Minuten lang offen stehen lässt.

Im Pokal interessiert das am nächsten Morgen allerdings nur noch am Rande. Da gibt es keinen Schönheitspreis und auch keine Zusatzrunde für besonders souveräne 90 Minuten.

Holstein ist weiter.

Und wenn es nach Phil Harres geht, darf die nächste Pokalrunde dann gerne am Westring stattfinden. Die Auslosung der zweiten Runde ist für den 5. September vorgesehen.

In diesem Sinne, nur die KSV! 💙🤍❤️

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Mike Hoffmann

Autor der Holstein Community.

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