
Pokal-Krimi in Giesing: Harres bringt Holstein auf Kurs, Balzi erlöst die KSV ganz spät
Moin Holstein-Fans,
wer nach der ersten Halbzeit gedacht hatte, dass wir diesen Pokalabend an der Grünwalder Straße einigermaßen entspannt nach Hause bringen würden, der wurde nach der Pause eines Besseren belehrt. Holstein Kiel steht nach einem 2:0 beim TSV 1860 München in der zweiten Runde des DFB-Pokals, aber dieses Ergebnis erzählt nur einen Teil der Geschichte. Denn zwischen dem Kopfball von Phil Harres und dem erlösenden Treffer von Guillermo Balzi lagen einige Minuten, in denen man als Holstein-Fan durchaus wieder daran erinnert wurde, warum Pokalspiele gegen einen Außenseiter so unangenehm werden können.
Holstein hat das Spiel – aber macht es nicht frühzeitig klar
Vor 15.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße war von Beginn an ordentlich Leben in der Bude. Genau das war zu erwarten. 1860 hatte nichts zu verlieren, das Publikum war da und Holstein musste erst einmal zeigen, dass man sich von dieser Atmosphäre nicht beeindrucken lässt. Und zunächst machte unsere KSV das ziemlich ordentlich. Kiel hatte mehr vom Spiel, kontrollierte viele Phasen und kam auch zu den besseren Möglichkeiten.
Eigentlich hätte Jonas Therkelsen schon für die Führung sorgen können. Münchens Torwart Vitus Eicher war bereits ausgespielt, doch Lasse Faßmann kratzte den Abschluss noch von der Linie. Kurz darauf hatte Adrián Kaprálik die nächste gute Gelegenheit, setzte seinen Versuch aber am Tor vorbei. Da saß man schon vor dem Bildschirm und dachte sich: Jungs, macht doch einfach einen rein, bevor dieser Pokalabend anfängt, irgendwelche komischen Ideen zu entwickeln.
Und beinahe wäre genau das passiert. Nach einem Fehler im Kieler Aufbau versuchte Tunay Deniz es aus großer Entfernung auf das verlassene Tor. Der Ball flog vorbei – und da durfte man durchaus einmal kräftig ausatmen.
In der 34. Minute kam dann endlich der Moment, auf den wir gewartet hatten. Kaprálik brachte den Ball von der rechten Seite in den Strafraum und Phil Harres machte das, was Phil Harres momentan ziemlich gerne macht: Tore schießen. Der Angreifer stieg hoch und setzte seinen Kopfball zum 1:0 für Holstein ins Netz. Ein richtig schöner Treffer und vor allem einer, der zu diesem Zeitpunkt absolut verdient war.
Mit diesem 1:0 ging es in die Pause. Schön, verdient – aber eben auch gefährlich knapp.
Plötzlich brüllt Giesing – und Holstein muss leiden
Nach dem Seitenwechsel änderte sich die Partie. 1860 wurde mutiger, aggressiver und bekam zunehmend das Gefühl, dass hier vielleicht doch noch etwas gehen könnte. Und genau dieses Gefühl ist in einem Pokalspiel das Letzte, was man einem Außenseiter schenken möchte.
Die Löwen störten den Kieler Aufbau früher, warfen sich in die Zweikämpfe und sorgten dafür, dass Holstein kaum noch die Ruhe aus der ersten Hälfte fand. Aus einem Spiel, das man eigentlich kontrolliert hatte, wurde Stück für Stück ein Kampf. Und mit jedem Ball, der Richtung Kieler Strafraum flog, wurde die Grünwalder Straße ein bisschen lauter.
Mittendrin stand Lio Rothenhagen, der ausgerechnet bei seinem Profi-Debüt einen solchen Pokalabend serviert bekam. Viel Zeit zum langsamen Eingewöhnen gab es jedenfalls nicht. Rothenhagen war mehrfach gefordert und hielt stark dagegen. Als er nach einer Münchner Ecke einmal geschlagen war, stand Hiroki Sekine genau richtig und rettete auf der Linie. Spätestens da war klar: Das hier wird heute nicht mit Schönheitspreis beendet. Jetzt mussten Ärmel hoch, Zweikämpfe gewonnen und irgendwie diese Führung über die Zeit gebracht werden.
Und genau das tat Holstein. Nicht immer elegant, nicht immer souverän, aber mit Einsatz. Das darf man an so einem Abend auch einmal anerkennen. 1860 kämpfte, das Stadion glaubte an den Ausgleich und Kiel bekam nur noch selten die Gelegenheit, selbst für Ruhe zu sorgen.
Phil Harres hätte uns in der 90. Minute diese letzten Nerven ersparen können, setzte seinen Abschluss aber knapp neben das Tor. Danke, Phil. Das Tor vorher nehmen wir natürlich trotzdem sehr gerne.
Balzi macht den Deckel drauf – und plötzlich ist alles gut
Dann liefen bereits die letzten Sekunden der Nachspielzeit. 1860 warf noch einmal alles nach vorne. Wirklich alles. Selbst Torwart Vitus Eicher marschierte bei einem Freistoß mit in den Kieler Strafraum.
Holstein überstand auch diese Situation, bekam den Ball und plötzlich war auf der anderen Seite sehr, sehr viel grüne Wiese und sehr, sehr wenig Münchner Torwart.
Der eingewechselte Moritz Reimers, ebenfalls mit seinem Profi-Debüt, schickte Guillermo Balzi auf die Reise. Balzi lief auf das verlassene Tor zu und schob zum 2:0 in der 90.+4 Minute ein. Ende. Feierabend. Zweite Runde.
Das dürfte einer dieser Treffer gewesen sein, bei denen auf Kieler Sofas, in Kneipen und natürlich im Gästeblock ziemlich gleichzeitig sämtliche Anspannung abgefallen ist. Direkt nach dem Jubel war Schluss. Mehr Timing geht eigentlich nicht.
Und ja: Man kann darüber reden, dass Holstein dieses Spiel früher hätte entscheiden müssen. Die Chancen waren da. Man kann darüber reden, dass wir nach der Pause zu wenig Entlastung hatten und einem leidenschaftlichen Gegner damit unnötig Hoffnung gegeben haben. Auch das gehört zu diesem Spiel.
Aber Pokal ist eben manchmal genau das. Du musst nicht 90 Minuten glänzen. Du musst nach 90 Minuten weiter sein.
Nach den beiden Unentschieden zum Start in die 2. Bundesliga gibt es damit auch endlich den ersten Pflichtspielsieg der Saison. Noch schöner: Die Null steht, ein junger Torhüter hat bei seinem Profi-Debüt einen richtig ordentlichen Eindruck hinterlassen und vorne treffen Harres und Balzi.
Ein lockerer Spaziergang war das in Giesing definitiv nicht. Vielleicht war es am Ende sogar ganz gut, dass die Mannschaft diesen Kampf annehmen musste. Denn spätestens nach dieser zweiten Halbzeit weiß jeder im Team wieder ganz genau, wie schnell im Pokal aus einem scheinbar kontrollierten Abend plötzlich eine ziemlich ungemütliche Nummer werden kann.
Aber diesmal sind wir nicht gestolpert.
Holstein steht in Runde zwei. Und nur das zählt heute.
In diesem Sinne, nur die KSV! 💙🤍❤️

Kommentare