
Walter vor 1860: Favoritenrolle, Rotenhagen im Tor und klare Worte zum Kader
Moin Holstein-Fans,
am Samstagabend wird es ernst im DFB-Pokal. Holstein Kiel tritt um 18 Uhr beim TSV 1860 München an – und Tim Walter macht vor der ersten Runde überhaupt keinen Versuch, die Rollen künstlich kleinzureden. Die KSV spielt höherklassig, also sei Holstein auch Favorit. Diese Rolle nimmt der Trainer ausdrücklich an.
Unterstützung gibt es dabei reichlich. Rund 1.500 Kielerinnen und Kieler machen sich auf den Weg nach München, der Gästeblock ist ausverkauft und eine Gästekasse wird es vor Ort nicht mehr geben.
Für Walter selbst hat dieses Pokalspiel noch eine kleine persönliche Geschichte. Sein erstes Pokalspiel als Profitrainer bestritt er während seiner ersten Kieler Amtszeit ebenfalls gegen 1860 München. Nun ist er zurück an der Förde – und wieder warten die Löwen. Walter sprach deshalb augenzwinkernd davon, dass sich ein Kreis schließe. Zwei Traditionsvereine und zwei frühere deutsche Meister treffen aufeinander. Trotz der schwierigen Situation rund um 1860 freut er sich auf die Partie und formuliert das Ziel eindeutig: Holstein will eine Runde weiter.
Walter nimmt die Favoritenrolle an
Dass 1860 inzwischen nur noch in der Regionalliga spielt, lässt sich nicht wegdiskutieren. Walter versucht es auch gar nicht erst.
Holstein sei als höherklassige Mannschaft selbstverständlich Favorit. Alles andere wäre aus seiner Sicht vermessen. Gleichzeitig erinnerte er an die berühmten eigenen Gesetze des Pokals und daran, dass auch ein solches Spiel erst einmal gewonnen werden muss.
Genau diese Mischung dürfte am Samstag entscheidend werden. Selbstbewusst auftreten, ohne den Gegner zu unterschätzen.
Walter erwartet von seiner Mannschaft, dass sie das Spiel dominiert. Gleichzeitig bezeichnete er 1860 ausdrücklich als keine Laufkundschaft. Seine Spieler müssten von Beginn an mit voller Konsequenz auftreten und dürften dem Gegner gar nicht erst das Gefühl geben, dass an diesem Abend etwas möglich sein könnte.
Das ist bei solchen Pokalspielen wahrscheinlich der entscheidende Punkt. Je länger ein Außenseiter im Spiel bleibt, desto größer wird der Glaube daran, dass vielleicht doch etwas geht. Genau diese Phase sollte Holstein möglichst vermeiden.
De Regt und Madsen direkt im Kader
Natürlich ging es auf der Pressekonferenz auch um die ereignisreichen vergangenen Tage auf dem Transfermarkt.
Mit Alexander Bernhardsson hat Holstein einen der wichtigsten Offensivspieler abgegeben, gleichzeitig kamen mit Gyan de Regt und Noah Madsen zwei neue Spieler hinzu.
Walter ordnete den Bernhardsson-Transfer dabei bemerkenswert offen ein. Wirtschaftlich sei es angesichts der kurzen Restvertragslaufzeit ein guter Deal für Holstein gewesen. Sportlich bezeichnete er den Abgang dagegen als „sehr schlechten Deal“. Gleichzeitig sei die wirtschaftliche Stabilität des Vereins notwendig, um sich weiterentwickeln zu können. Durch den Transfer habe Holstein nun unter anderem die Möglichkeit gehabt, die beiden neuen Spieler zu verpflichten.
Von de Regt und Madsen zeigte sich Walter nach den ersten gemeinsamen Trainingseinheiten sehr angetan. Sein erster Eindruck sei sowohl charakterlich als auch sportlich sehr positiv.
Und die beiden müssen nicht erst wochenlang zuschauen.
De Regt und Madsen werden am Samstag in München zum Kieler Kader gehören. Ob einer von ihnen direkt beginnt oder während der Partie seine ersten Minuten bekommt, ließ Walter offen.
Damit wird die Auswahl für den Trainer schlagartig größer.
Das ist auch ausdrücklich gewollt. Walter sprach davon, dass im Training inzwischen ordentlich Konkurrenz herrsche und die Spieler sich gegenseitig zeigen würden, dass sie spielen wollen. Genau dieser interne Wettbewerb soll die Qualität der gesamten Mannschaft erhöhen.
Auf links wird es richtig eng
Besonders interessant wird die Situation auf der linken Seite.
Mit John Tolkin, Leon Parduzi und Niko Takahashi stehen gleich mehrere Spieler für die linke Defensivposition zur Verfügung. Walter stellte klar, dass alle drei einsatzbereit sind. Tolkin trainiert nach seiner Verletzung bereits seit etwa zwei Wochen wieder vollständig mit und hat keine Probleme mehr. Trotzdem müsse man bei einem Spieler, der gerade aus einer Verletzung komme, weiterhin aufmerksam mit der Belastung umgehen.
Eine Garantie für Parduzi, der zuletzt zweimal begonnen hatte und gegen St. Pauli von Walter ausdrücklich gelobt worden war, gibt es deshalb ebenfalls nicht.
Walter formulierte es ziemlich einfach: Jede Woche könne sich etwas verändern.
Genau diese Situation wollte Holstein offenbar herstellen. Der Trainer möchte nicht mehr darauf hoffen müssen, dass ein bestimmter Spieler rechtzeitig fit wird. Stattdessen soll es mehrere belastbare Alternativen geben. Auch auf der rechten Seite wird die Konkurrenz noch einmal größer, sobald Lasse Rosenboom zurückkehrt.
Für uns Fans bedeutet das vermutlich: Aufstellungen vorherzusagen wird in den kommenden Wochen nicht unbedingt einfacher.
Im Pokal gehört das Tor Leo Rotenhagen
Eine Personalentscheidung hat Walter allerdings bereits verraten – und zwar ziemlich eindeutig.
Leo Rotenhagen wird gegen 1860 München im Tor stehen.
Mehr noch: Walter erklärte, dass Rotenhagen grundsätzlich die Pokalspiele bekommen soll. Er sei damit der klare Pokaltorwart der KSV.
Für Rotenhagen dürfte das Spiel in München gleichzeitig einen besonderen Moment bedeuten. Auf die Frage, wie der junge Keeper mit seinem bevorstehenden ersten Profieinsatz umgehen werde, geriet Walter regelrecht ins Schwärmen.
Rotenhagen sei für sein Alter außergewöhnlich abgeklärt und professionell. Besonders beeindruckt den Trainer offenbar, wie der junge Torhüter mit Fehlern umgeht und wie selbstverständlich er bereits im Training auftrete. Walter bezeichnete diese Reife für sein Alter als herausragend.
Das ist schon ein ziemlich großes Lob.
Und im Grünwalder Stadion bekommt Rotenhagen nun gleich eine Atmosphäre serviert, bei der man ziemlich schnell herausfinden wird, wie abgezockt er tatsächlich schon ist.
Bei den Verletzten geht es voran – für München reicht es noch nicht
Auch von den länger fehlenden Spielern gab es Neuigkeiten.
Bei Lasse Rosenboom geht es im Aufbau voran. Walter berichtete, dass er inzwischen ohne seine Stöcke auskommt. Auch bei mehreren weiteren angeschlagenen Spielern gibt es Fortschritte. Giorgi Kvilitaia sei ebenfalls auf dem Weg der Besserung, habe aber noch Probleme infolge seiner Verletzung. Andu Kelati arbeitet bereits wieder auf dem Platz. Bei Frederik Roslyng wird die Rückkehr dagegen noch länger dauern.
Für das Pokalspiel kommt von dieser Gruppe allerdings noch niemand infrage. Walter bestätigte ausdrücklich, dass die genannten Spieler am Wochenende noch nicht einsatzbereit sind.
Geduld bleibt also gefragt.
1860 ist neu zusammengestellt – und wird sich „zerreißen“
Trotz aller Turbulenzen rund um den kommenden Gegner ist Holstein bei der Vorbereitung keineswegs im Blindflug.
Walter bestätigte, dass die KSV Zugriff auf Videomaterial der Regionalliga-Partien besitzt und 1860 entsprechend analysieren konnte. Gleichzeitig bezeichnete auch er die Mannschaft ein Stück weit als Wundertüte.
Der Kader der Löwen sei stark verändert worden, viele Spieler aus der vorherigen Mannschaft seien nicht mehr dabei. Entsprechend müsse sich auch 1860 erst finden. Walter erwartet trotzdem einen Gegner, der gegen Holstein alles hineinwerfen wird.
Seine Formulierung war ziemlich deutlich: „Sie werden sich zerreißen.“
Gerade im Grünwalder Stadion würde mich alles andere allerdings auch schwer wundern.
Für Walter kommt noch hinzu, dass München seine Heimat ist. Familie und Freunde werden im Stadion sein, und der Trainer sagte selbst, dass er sich darauf freue, einmal wieder zu Hause zu spielen.
Und dann kam die Frage nach Marcus Müller
Zum Ende der Pressekonferenz wurde es auch bei einer Personalie interessant, über die wir in den vergangenen Tagen bereits ausführlicher geschrieben haben: Marcus Müller.
Der Stürmer stand an den ersten beiden Spieltagen nicht im Kader, ohne als verletzt geführt zu werden. Auch bei der U23 kam er zuletzt nicht zum Einsatz. Deshalb stellt sich schon länger die Frage, welche sportliche Perspektive Müller momentan noch in Kiel besitzt.
Walter bestätigte zunächst, dass Müller weiterhin Teil des Kaders ist. Er trainiere sehr eifrig, verhalte sich vorbildlich und es gebe in dieser Hinsicht überhaupt nichts zu beanstanden.
Dann wurde die Antwort aber interessanter.
Es müsse letztlich zwischen Verein und Spieler passen, erklärte Walter. Dabei gehe es nicht nur darum, was der Verein wolle, sondern ebenso um die Interessen des Spielers. Beide Seiten müssten sich gegenseitig gerecht werden.
Eine Aussage wie „Marcus bleibt definitiv und spielt hier eine Rolle“ klingt anders.
Walter hat keinen Abschied angekündigt und auch nicht gesagt, dass Holstein Müller abgeben möchte. Aber seine Antwort passt durchaus zu dem Eindruck der vergangenen Wochen: Müller gehört offiziell zum Kader, sportlich steht er derzeit allerdings weit hinten – und sollte sich eine Lösung ergeben, die für Spieler und Verein passt, dürfte zumindest Gesprächsbedarf vorhanden sein.
Damit bleibt genau die Frage bestehen, die wir zuletzt gestellt haben: Findet sich noch ein Verein, der Müller kaufen oder möglicherweise ausleihen möchte?
Am Samstag gehört die Bühne aber zunächst anderen.
1.500 Kieler fahren nach München, Rotenhagen bekommt sein erstes Pokalspiel im Tor, de Regt und Madsen sind erstmals im Kader und Holstein reist als klarer Favorit an die Grünwalder Straße.
Jetzt muss die Mannschaft diese Rolle nur noch auf den Platz bringen.
In diesem Sinne, nur die KSV! 💙🤍❤️

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