
Zwei Neue, zwei klare Profile: Was Madsen und de Regt Holstein bringen können
Moin Holstein-Fans,
innerhalb kurzer Zeit hat Holstein Kiel noch einmal auf zwei völlig unterschiedlichen Positionen nachgelegt. Mit Gyan de Regt kommt Tempo für die Offensive, mit Noah Madsen zusätzliche Konkurrenz und Stabilität für die Innenverteidigung. Die Namen kennen wir inzwischen – spannender ist aber die Frage, welche Fußballer da eigentlich an die Förde kommen.
Deshalb haben wir etwas genauer hingeschaut: Wo wurden beide zuletzt eingesetzt? Wie spielten ihre bisherigen Mannschaften? Welche Aufgaben hatten sie dort – und was davon könnte zu Tim Walters Holstein passen?
Bei beiden gibt es einiges, auf das man neugierig sein kann. Nur aus unterschiedlichen Gründen.
Gyan de Regt: Kein Flügelspieler, der nur an der Linie warten soll
De Regt ist gerade 23 Jahre alt geworden und kommt von Excelsior Rotterdam. Seine Hauptposition war dort die linke offensive Seite, er kann allerdings auch rechts eingesetzt werden. Holstein hat ihn langfristig gebunden; Olaf Rebbe hebt vor allem sein Tempo, seine Vielseitigkeit und seine Mentalität hervor.
Die Zahlen seiner vergangenen Eredivisie-Saison sind ordentlich: 34 Ligaspiele, davon 31 von Beginn an, drei Tore und acht Vorlagen. Besonders in der zweiten Saisonhälfte wurde er als Vorbereiter immer wichtiger.
Und einen kleinen Vorgeschmack darauf, dass bei ihm auch ungewöhnliche Dinge passieren können, gibt es ebenfalls: Sein Fallrückziehertor gegen Fortuna Sittard wurde bei den Eredivisie Awards zum Tor des Jahres 2025/26 gewählt.
Nur sollte man ihn jetzt bitte nicht bei jedem Ballkontakt zum Fallrückzieher auffordern.
Warum Excelsiors Spielweise interessant für Holstein ist
Richtig spannend wird de Regt für mich beim Blick auf Excelsiors Fußball.
Trainer Ruben den Uil hat seine Mannschaft als Team beschrieben, das aggressiv pressen, dynamisch auftreten und den Ball haben möchte. Außerdem spricht er ausdrücklich von attraktivem und dominantem Fußball. Das ist natürlich nicht identisch mit Tim Walters Spielidee, gewisse Grundgedanken kommen einem als Holstein-Fan inzwischen aber durchaus bekannt vor.
Excelsior trat über große Teile der Saison im 4-2-3-1 an. De Regt besetzte dabei regelmäßig die linke offensive Position. Das war beispielsweise gegen NEC, Twente, PSV und Sparta Rotterdam der Fall.
Interessanterweise war er aber nicht auf diese Rolle festgenagelt. Gegen Go Ahead Eagles spielte Excelsior beispielsweise im 3-4-2-1, de Regt rückte dort in eine der beiden offensiven Positionen hinter der Spitze.
Das passt zu dem Profil, das Holstein offenbar gesucht hat.
De Regt kennt es, breit auf dem Flügel zu beginnen, muss aber nicht dauerhaft mit Kreide am Schuh an der Seitenlinie stehen. Genau diese Beweglichkeit könnte unter Walter wichtig werden. Wir haben gegen St. Pauli gesehen, wie häufig Kiel im Ballbesitz Positionen tauscht, aus dem Halbraum nach außen rotiert und wiederum Außenspieler nach innen zieht.
Gerade Alexander Bernhardsson war bei solchen Bewegungen wichtig. Ihn eins zu eins durch einen anderen Spieler zu ersetzen, wird kaum funktionieren. De Regt bringt aber zumindest ein Profil mit, das in diese Art Fußball passen kann.
Seine bisherige Mannschaft wollte ebenfalls selbst gestalten und nicht ausschließlich auf Umschaltsituationen warten. Für einen Neuzugang ist das möglicherweise hilfreicher, als aus einer komplett reaktiven Mannschaft plötzlich in Walters bewegliches Positionsspiel zu wechseln.
Was dürfen wir von de Regt erwarten?
Ich würde zunächst Tempo, direkte Aktionen und zusätzliche Variabilität auf den Außenbahnen erwarten – genau die Dinge, die auch Rebbe bei seiner Vorstellung hervorgehoben hat.
Seine acht Eredivisie-Vorlagen zeigen außerdem, dass er nicht ausschließlich selbst Richtung Tor denkt. Gleichzeitig sind drei Ligatore keine Zahl, aufgrund derer man jetzt 15 Saisontreffer erwarten sollte.
Das gefällt mir bei der Einordnung eigentlich ganz gut: Holstein verpflichtet hier keinen fertigen Star, sondern einen 23-Jährigen, der eine komplette Saison in der Eredivisie als Stammspieler hinter sich hat und noch Entwicklungsspielraum besitzt.
Und Konkurrenz gibt es genug. Adrián Kaprálik, Faride Alidou und weitere offensive Möglichkeiten sind schließlich ebenfalls da. Einen Freifahrtschein bekommt de Regt nicht.
Seine Voraussetzungen sind aber interessant.
Noah Madsen: Deutlich mehr als irgendein zusätzlicher Innenverteidiger
Beim zweiten Neuen ist das Profil komplett anders.
Noah Madsen ist 24 Jahre alt, 1,87 Meter groß und Innenverteidiger. Er kommt vom portugiesischen Traditionsverein CS Marítimo nach Kiel. Dort hat er sich über mehrere Jahre vom Nachwuchs- beziehungsweise Unterbau bis zu einem wichtigen Bestandteil der ersten Mannschaft entwickelt. Marítimo selbst führt insgesamt 71 Einsätze für den Verein über verschiedene Mannschaften und Wettbewerbe hinweg auf.
Die vergangene Saison war dann sein bisher stärkstes Jahr.
Madsen absolvierte 29 Ligaspiele, stand 2.565 Minuten auf dem Platz und gehörte zu den wichtigen Spielern der Mannschaft, die die portugiesische zweite Liga gewann und den Aufstieg schaffte. Die Liga zählte bei ihm außerdem 140 Klärungsaktionen und 37 abgefangene Bälle.
Noch aussagekräftiger finde ich fast die Auszeichnungen.
Madsen wurde im November und Dezember jeweils zum Verteidiger des Monats gewählt. Am Saisonende schaffte er es zudem in die Elf des Jahres der Liga Portugal 2 – gewählt von Trainern und Kapitänen der Liga.
Bei Marítimo klarer Bestandteil einer Viererkette
Auch bei Madsen lohnt sich der Blick auf die taktische Einbindung.
Marítimo spielte in mehreren ausgewerteten Partien der vergangenen Saison aus einem 4-2-3-1. Madsen bildete dabei regelmäßig mit Romain Correia das Innenverteidiger-Duo. So war es beispielsweise beim 2:0 gegen Torreense und beim 1:0 gegen Portimonense.
Er kommt damit zunächst einmal aus einer relativ klassischen Rolle innerhalb einer Viererkette.
Das ist deshalb erwähnenswert, weil die Anforderungen in Kiel durchaus ungewöhnlicher werden können.
Gegen St. Pauli haben wir beispielsweise gesehen, dass Walters Innenverteidiger keineswegs immer brav nebeneinander auf ihrer Position bleiben. Ivan Nekić schob im Aufbau mehrfach aus der letzten Linie in den Sechserraum, um gegnerische Zuordnungen aufzubrechen und zusätzliche Anspielstationen zu schaffen.
Ob Madsen solche Aufgaben ebenfalls übernehmen kann, lässt sich aus seiner bisherigen Rolle bei Marítimo noch nicht seriös ableiten.
Und genau da beginnt für mich der interessante Teil seiner ersten Wochen.
Defensiv bringt er eine sehr ordentliche Saison mit. Dass ihn die Trainer der Liga zweimal hintereinander zum besten Verteidiger eines Monats und später mit in die Elf des Jahres gewählt haben, spricht für eine gewisse Konstanz.
Jetzt muss Walter herausfinden, wie weit er ihn mit Ball aus seiner bisherigen Komfortzone herausziehen kann.
Madsen könnte Holstein genau dort helfen, wo zuletzt etwas fehlte
Denn es gibt noch eine andere Seite.
Holsteins Fußball gegen St. Pauli sah im Ballbesitz teilweise richtig gut aus. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie anfällig das Ganze werden kann, wenn ein Innenverteidiger weit nach vorne schiebt und anschließend der Ball verloren geht.
Deshalb braucht Walter hinten Spieler, die große Räume verteidigen, Situationen früh erkennen und nach Ballverlusten schnell wieder Kontrolle herstellen.
Madsens 140 Klärungen und 37 Interceptions sind zumindest ein Hinweis darauf, dass er im klassischen Verteidigen regelmäßig gefordert war und Situationen lösen konnte. Sie beweisen aber noch nicht, dass er automatisch perfekt in eine sehr hoch stehende Kieler Abwehr passt.
Auch einen kleinen Warnhinweis gibt es: In seinen 29 Ligapartien sammelte er elf Gelbe Karten und einen Platzverweis. Das muss kein Problem werden, zeigt aber zumindest, dass seine Anpassung an das Tempo und die Zweikampfbewertung in Deutschland interessant zu beobachten sein wird.
Für einen 24-Jährigen, der gerade Meister geworden ist und individuell ausgezeichnet wurde, bringt er trotzdem eine Menge mit.
Zwei Transfers, die erstaunlich gut zur aktuellen Mannschaft passen könnten
Was mir an beiden Verpflichtungen gefällt: Holstein hat nicht einfach zweimal nach Kaderposition eingekauft.
De Regt kommt aus einer Mannschaft, die ebenfalls dynamisch, ballorientiert und aggressiv auftreten wollte. Er kennt unterschiedliche offensive Rollen und hat auf Eredivisie-Niveau eine komplette Saison als Stammspieler absolviert.
Madsen wiederum kommt mit der Erfahrung einer Meisterschaft, 29 Ligaspielen und individuellen Auszeichnungen im Gepäck. Er soll nicht irgendwann einmal Innenverteidiger Nummer sechs werden, sondern bringt Argumente mit, sich tatsächlich um Spielzeit zu bewerben.
Trotzdem würde ich beiden etwas Zeit geben.
De Regt muss Walters permanente Positionswechsel verstehen und lernen, wann er Breite halten, wann er einrücken und wann er den Lauf hinter die Kette starten soll.
Madsen steht fast vor der umgekehrten Aufgabe. Er muss sich möglicherweise daran gewöhnen, dass ein Kieler Innenverteidiger unter Walter gelegentlich plötzlich dort auftaucht, wo andere Mannschaften ihren Achter vermuten würden.
Wenn beide diese Anpassung schaffen, bekommt Holstein aber zwei ziemlich unterschiedliche Spieler mit einer interessanten Gemeinsamkeit: Sie kommen nicht als unbeschriebene Talente, obwohl sie mit 23 beziehungsweise 24 Jahren noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind.
Bei de Regt freue ich mich auf Geschwindigkeit, Bewegung und die Frage, wie schnell er mit Kaprálik, Balzi, Harres und Co. Kombinationen entwickelt.
Bei Madsen will ich sehen, ob er seine defensive Konstanz aus Portugal in Walters deutlich riskanteres Spiel übertragen kann.
Und wenn der eine vorne für Chaos beim Gegner sorgt und der andere hinten dafür sorgt, dass unser eigenes Chaos nicht zu groß wird, wäre das eigentlich eine ziemlich brauchbare Arbeitsteilung.
In diesem Sinne, nur die KSV! 💙🤍❤️

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