
Walter vor St. Pauli: „Wir spielen zu Hause und haben unsere Art, Fußball zu spielen“
Moin Holstein-Fans,
vor dem ersten Heimspiel der neuen Saison hat Tim Walter auf der Pressekonferenz einige ziemlich klare Linien gezogen. Die Rückkehr von Marcel Rapp, die besondere Stimmung rund um das Duell mit dem FC St. Pauli und die Baustelle im Holstein-Stadion liefern genug Geschichten für außen herum. Walter selbst interessiert das alles nur begrenzt. Für ihn geht es vor allem darum, dass seine Mannschaft das fortsetzt, was beim 2:2 in Darmstadt über weite Strecken funktioniert hat – diesmal möglichst über die komplette Spielzeit.
Auch personell gab es vor dem Freitagabendspiel Neuigkeiten. John Tolkin steht wieder zur Verfügung, und Neuzugang Niko Takahashi soll nach seinem ersten Training mit der Mannschaft ebenfalls direkt in den Kader rücken. Bei Giorgi Kvilitaia ist dagegen weiterhin Geduld gefragt.
Walter will das Darmstadt-Spiel nicht größer machen, als es war
Natürlich kam gleich zu Beginn die Frage nach dem verspielten Sieg in Darmstadt. Walter reagierte darauf ziemlich nüchtern. Fehler seien Teil des Fußballs und könnten immer wieder passieren. Entscheidend sei vielmehr, was seine Mannschaft über weite Strecken richtig gemacht habe.
Aus seiner Sicht verteidigte Holstein in Darmstadt lange sehr kompakt und ließ kaum echte Torchancen zu. Beim Gegentor habe man den Gegner letztlich selbst eingeladen. An der grundsätzlichen Ausrichtung will Walter deshalb nichts ändern. Die Mannschaft solle weiterhin mutig und konsequent nach vorne spielen. Fehler gehörten dazu, weil man nur darüber lernen und sich verbessern könne.
Das passt auch zu seiner Zielsetzung für Freitag. Walter machte daraus keine Wissenschaft: Holstein spielt Fußball, um zu gewinnen. Wenn seine Mannschaft wieder so konsequent auftrete wie über rund 75 Minuten in Darmstadt, sieht er gute Chancen, diesmal als Sieger vom Platz zu gehen.
Dass er nach dem 2:2 in Darmstadt sichtbar verärgert war, versuchte Walter ebenfalls nicht kleinzureden. Er wolle immer gewinnen, unabhängig davon, ob es das erste oder letzte Saisonspiel sei. Wenn die Möglichkeiten auf einen Sieg so groß gewesen seien, gehöre Enttäuschung für ihn dazu. Diese Emotionen seien am nächsten Morgen nach der Analyse aber auch wieder vorbei gewesen. Wichtig sei ihm, den Spielern anschließend zu erklären, warum er in diesem Moment so reagiert habe. Walter betonte dabei ausdrücklich das gute Vertrauensverhältnis innerhalb der Mannschaft und dass Emotionen auch bei den Spielern ihren Platz hätten.
Tolkin zurück, Takahashi wohl direkt im Kader
Beim Personal verändert sich gegenüber Darmstadt nicht grundlegend viel, zwei Namen kommen allerdings hinzu.
John Tolkin steht wieder zur Verfügung. Außerdem soll Niko Takahashi direkt dabei sein. Der Japaner absolvierte am Mittwoch bereits sein erstes Training mit der Mannschaft. Walter sagte, dass Takahashi voraussichtlich in den Kader rücken werde, sofern die Müdigkeit nach seiner Anreise beziehungsweise den vergangenen Tagen dies zulasse. Körperlich sei er ansonsten fit.
Viel mehr wollte Walter über seinen neuen Spieler noch nicht erzählen. Fußballerisch hält er offensichtlich einiges von ihm, gleichzeitig müsse Takahashi erst einmal ankommen und sich eingewöhnen. Trotzdem deutet alles darauf hin, dass wir ihn gegen St. Pauli zumindest schon auf der Bank sehen könnten.
Auf die hohe Zahl möglicher Spieler für die linke Seite angesprochen, verwies Walter darauf, dass diese Akteure auch auf anderen Positionen eingesetzt werden können. Eine ungewöhnliche Überbesetzung sieht er deshalb nicht.
Nicht dabei sein wird dagegen weiterhin Giorgi Kvilitaia. Walter erklärte zum Ende der Pressekonferenz, dass sich dessen Beschwerden als etwas hartnäckiger erwiesen hätten. Bei ihm wolle man deshalb besonders vorsichtig sein. Für diese Woche ist der Angreifer noch keine Option.
Rapps Rückkehr? Für Walter kein großes Thema
Es war natürlich absehbar, dass Marcel Rapp auf dieser Pressekonferenz häufiger vorkommen würde. Immerhin kehrt der frühere Kieler Trainer mit St. Pauli an seine alte Wirkungsstätte zurück.
Walter sieht daraus allerdings keinen besonderen Vorteil für den Gegner. Auf die Frage, ob Rapp viele Kieler Spieler möglicherweise besser kenne als Walter die St.-Pauli-Mannschaft, antwortete der Holstein-Trainer schlicht mit „Nein“. Seine Begründung: Holstein spiele inzwischen komplett anders. Rapp kenne zwar Walters Art des Fußballs, Walter wiederum wisse ebenfalls, wie Rapp spielen lasse. Hinzu komme ohnehin die normale Gegneranalyse.
Auch persönlich macht Walter aus dem Wiedersehen keine größere Geschichte. Für Rapp sei die Rückkehr verständlicherweise etwas Besonderes, schließlich habe er lange in Kiel gearbeitet. Walter selbst empfindet die Partie dagegen als normales Spiel. Beide kennen sich schon lange und sind sich unter anderem immer wieder bei gemeinsamen Gelegenheiten begegnet, Kontakt nach dem Kieler Trainerwechsel gab es laut Walter allerdings nicht noch einmal.
Ebenso wenig Bedeutung misst Walter den zahlreichen HSV-Vergangenheiten innerhalb seines Kaders bei. Gegen den Hamburger Stadtrivalen helfe das überhaupt nicht. Vergangenheiten seien nicht entscheidend – seine Spieler seien Profis, hätten unterschiedliche Stationen hinter sich und wollten schlicht Spiele gewinnen.
Das ist schon ziemlich typisch Walter: Man kann außen herum noch so viele Geschichten aufbauen, am Ende landet er wieder bei seiner Mannschaft.
Gegen St. Pauli soll es weder Harakiri noch Abwarten geben
Interessant wurde es, als Walter konkret auf die Spielweise gegen den Bundesliga-Absteiger angesprochen wurde. Die Frage lautete sinngemäß: erst einmal vorsichtig herantasten oder direkt volle Attacke?
Walter wollte sich auf diese beiden Extreme gar nicht einlassen. Holstein spiele zu Hause und habe eine eigene Philosophie. Natürlich werde St. Pauli analysiert, genau wie der Gegner Holstein analysiere. Trotzdem wolle man die eigene Art des Fußballs durchbringen.
Entscheidend sei die Balance. Es gehe weder ausschließlich darum, sofort mit voller Wucht nach vorne zu marschieren, noch darum, zunächst abzuwarten. Die Mannschaft müsse verschiedene Lösungen beherrschen und im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen.
Genau daran wurde unter der Woche offenbar intensiv gearbeitet. Auf die auffällig deutlichen Ansagen Walters im Training angesprochen, nannte er vor allem die Positionierung. In engen Räumen seien die Abstände kürzer und Entscheidungen müssten schneller getroffen werden. Walter erwartet von seinen Spielern dort bessere Lösungen als der Gegner. Das sei der Kern der Trainingsarbeit vor St. Pauli gewesen.
Eine Statistik zu den schnellen St.-Pauli-Außenspielern Arkadiusz Pyrka und Louis Oppie brachte Walter zum Schluss eher wenig aus der Ruhe. Holstein habe selbst reichlich Tempo im Kader. Er nannte dabei Adrián Kaprálik, Jonas Therkelsen und Alexander Bernhardsson – und schob anschließend sinngemäß hinterher, dass die St.-Pauli-Spieler ihr Tempo vielleicht auch einmal in die andere Richtung benötigen könnten.
Diesen kleinen Satz dürfte man sich für Freitag durchaus merken.
Baustelle Holstein-Stadion: Walter erwartet trotzdem Unterstützung
Zum ersten Heimspiel gehört diesmal auch eine ungewöhnliche Kulisse. Wegen des Stadionumbaus fehlt die Nordtribüne. Walter sieht darin aber keinen Stimmungskiller.
Im Gegenteil: Zunächst einmal sei er froh, dass der Umbau endlich begonnen habe. Kiel und der Verein bräuchten aus seiner Sicht ein Umfeld, das größere Möglichkeiten eröffnet. Bei aller Tradition sei es gut, dass die Entwicklung nun vorangehe.
Für das Spiel erwartet er trotzdem genügend Unterstützung. Auf der Fantribüne, der Gegenseite und der Haupttribüne seien weiterhin viele Holstein-Anhänger, die die Mannschaft nach vorne treiben könnten. Wie sich die Atmosphäre tatsächlich anfühlen wird, weiß Walter selbst noch nicht – schließlich hat die Mannschaft vor einem gefüllten Stadion ohne Nordtribüne ebenfalls noch nicht gespielt.
Vor leeren Rängen haben die Spieler die neue Stadionansicht allerdings bereits kennengelernt. Im Rahmen des Mediadays war die Nordtribüne schon verschwunden. Ein besonderes Training im Stadion gab es deswegen nicht.
Für die Fans noch wichtig: Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz waren 11.700 Karten verkauft, womit die Partie aufgrund der aktuellen Bauarbeiten ausverkauft ist. Eine Tageskasse wird es nicht geben. Wegen der erwarteten hohen Temperaturen ist ausnahmsweise die Mitnahme einer 0,5-Liter-PE-Flasche mit Wasser pro Person erlaubt.
Viel Theater um Rapp, Derbycharakter, HSV-Vergangenheit oder Baustelle wollte Walter am Mittwoch jedenfalls nicht mitmachen. Sein Fokus liegt ziemlich klar auf dem eigenen Fußball. Positionierung, Balance, Mut nach vorne und bessere Entscheidungen in den entscheidenden Situationen – daran soll sich zeigen, ob aus dem 2:2 von Darmstadt beim ersten Heimspiel drei Punkte werden.
Und wenn dabei die schnellen St.-Pauli-Spieler tatsächlich häufiger in Richtung ihres eigenen Tores sprinten müssen, hätte vermutlich niemand in Kiel etwas dagegen.
In diesem Sinne, nur die KSV! 💙🤍❤️

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